SCHMERZSTÖRUNG Was ist eine „Schmerzstörung“?
Akute
Schmerzstörung: Bei einer akuten Schmerzstörung liegt dem Schmerz (meist) eine schmerzauslösende Ursache zugrunde, z. B. eine Verletzung oder eine körperliche Erkrankung. Hier dient die Schmerzstörung als eine Art Alarmsignal, das dem Menschen eine Gefährdung signalisiert. Bei akuter äußerer Gefährdung führt dies Sinnvollerweise auch sofort zu einem Verhaltensimpuls, um sich z. B. in Sicherheit zu bringen. Fasst man beispielsweise versehentlich an eine heiße Herdplatte, so führt der unmittelbar einschießende Schmerzreiz zu einem reflexhaften Zurückziehen der Hand, um weitere Verbrennungen zu vermeiden. Anschließend sorgt der Schmerz dafür, dass sich um die betroffene Hand gekümmert wird, also am besten sofortige ausgiebige Kühlung und später eventuell ein Verband mit einer entsprechenden Heilsalbe. Hier erfüllt die Schmerzstörung also eine äußerst wichtige und sinnvolle Funktion. Ähnlich ist es bei körperlichen Erkrankungen, wo die Schmerzstörung uns signalisiert, dass etwas in unserem Körper nicht in Ordnung ist und wir uns darum kümmern müssen, was z. B. zu einem Schutz- und Schonverhalten führt. Führen entsprechende Maßnahmen und Verhaltensänderungen zu einer Beseitigung der schmerzauslösenden Ursache, so klingt der Schmerz in absehbarer Zeit, d. h. nach Sekunden bis zu mehreren Wochen, wieder ab.
Chronische Schmerzstörung:
Während bei
einer
akuten Schmerzstörung die
Schmerzen als Symptom einer ihnen zugrundeliegenden Erkrankung verstanden werden
können, hat sich bei chronischer Schmerzstörung
der Schmerz von einer möglichen Grunderkrankung quasi abgekoppelt und
verselbstständigt. Hier kann er dann nicht mehr als Symptom aufgefasst werden,
sondern als eigenständiges Krankheitsbild. Man spricht dann von einer eigenständigen
Schmerzerkrankung, Schmerzstörung oder Schmerzkrankheit. Formen und Ursachen der Schmerzstörung: Eine Möglichkeit besteht darin, dass sich die schmerzauslösende Ursache nicht heilen lässt und hierdurch ständig eine Schmerzstörung erzeugt wird wie z. B. bei chronisch entzündlichen Erkrankungen (z. B. Rheuma) oder Krebserkrankungen. Eine weitere Möglichkeit für die Entstehung von chronischer Schmerzstörung liegt darin, dass es zwar ursprünglich eine auslösende Ursache gegeben hat, sich die Schmerzsymptomatik durch verschiedene Einflüsse jedoch verselbstständigt hat. Hierbei können eine nicht ausreichende akute Schmerzmedikation, unnatürliche unphysiologische Schonhaltungen, die ihrerseits zur Schmerzstörung führen, weiterhin mit der Erkrankung verbundene Ängste und auch sonstiger psychischer Stress und vieles andere mehr eine wichtige Rolle spielen.
Weiterhin
kann die Ursache für eine Schmerzstörung
nicht im körperlichen, sondern im psychischen Bereich liegen („Das tut mir in
der Seele weh!“). Hierbei gilt es jedoch, ein großes und weit verbreitetes
Missverständnis zu klären. Die oben angeführten Beispiele zur Entstehung der
Schmerzstörung suggerieren,
dass es eine Trennung zwischen körperlichen und seelischen (psychischen)
Schmerzen gibt. Dies ist jedoch nicht der Fall! Grundsätzlich gilt, dass bei
allen Schmerzstörungen,
insbesondere aber bei der
chronischen Schmerzstörung, unabhängig von der auslösenden Ursache, das
Schmerzerleben der Betroffenen sich immer aus körperlichen (somatischen) und
seelischen (psychischen) Anteilen zusammensetzt. Die Einteilung in körperlich
begründete („somatische“) und seelisch begründete („funktionelle“,
„psychogene“) Schmerzstörung ist also irreführend und führt bei den Betroffenen häufig zu unnötigem
Leid, da sie sich nicht verstanden und vielleicht sogar als Simulanten
hingestellt fühlen.
Da eine Schmerzstörung nicht „objektiv“ gemessen werden können, können nur die
Betroffenen selbst entscheiden, ob sie Schmerzen haben und wie stark diese sind.
Schmerzen sind daher immer echt, völlig unabhängig von ihrer Ursache! Generell liegt ja dem Konzept der „Psychosomatik“ eine ganzheitliche Sichtweise zugrunde, dass – wie oben ausgeführt – die Trennung zwischen Körper („Soma“) und Seele (Psyche) eine künstliche ist. Dies lässt sich besonders an dem Phänomen „Schmerz“ beobachten. Schon lange weiß man, dass das Schmerzerleben ein subjektives individuelles Erleben ist. Dass also z. B. zwei Menschen die gleiche Verletzung haben und dennoch ihre Schmerzen an Ausmaß und Intensität völlig unterschiedlich erleben können. Dies hängt damit zusammen, dass unsere Schmerzempfindung im Gehirn entsteht. Schmerzreize aus dem Körper werden über entsprechende Nervenbahnen ins Gehirn geleitet, wo sie einer komplexen Verarbeitung unterliegen, von der abhängt, wie wir diese Schmerzstörung dann empfinden. Hierbei spielen eben auch seelische Einflüsse, unsere Gefühle, unsere Gedanken und auch unser Verhalten, eine große Rolle.
Beispielsweise
kann durch verschiedene Behandlungsversuche, die zu keiner durchgreifenden
Verbesserung der Schmerzsymptomatik geführt haben, ein Gefühl der Ohnmacht und
Hilflosigkeit entstehen, der Schmerzstörung
ausgeliefert zu sein, nichts gegen sie
ausrichten zu können. Dies kann zu einer depressiven Entwicklung führen
verbunden mit einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und mit sozialem Rückzug.
Die Schmerzproblematik rückt für die Betroffenen zunehmend in den Vordergrund,
was die Schmerzstörung
en
wiederum immer mehr verstärkt. Sie fühlen sich von Mitmenschen nicht mehr
verstanden und ziehen sich noch weiter zurück, was die depressive Symptomatik
und die Schmerzen erneut verstärkt. Der Teufelskreis ist geschlossen! Welche
Schmerzstörung
en werden unterschieden?
Was kann man tun?
In der akuten
Schmerzphase ist es zunächst einmal natürlich wichtig, den Auslöser, die
Ursache der Schmerzstörung
herauszufinden. Hier ist also z. B. eine ärztliche Untersuchung erforderlich,
um die verursachende Quelle der Schmerzsymptomatik zu erkennen und zielgerichtet
behandeln zu können. Weiterhin ist dabei eine wirksame Behandlung der Schmerzen
dringend erforderlich. Beispielsweise bei einer akuten Lumboischialgie
(„Hexenschuss“) nehmen wir automatisch eine körperliche Schonhaltung ein,
um möglichst Schmerzen zu vermeiden. Dies führt jedoch zu einseitigen
Verspannungen der Muskeln, die den Körper dann in dieser falschen Haltung
fixieren. Diese fixierte Fehlhaltung führt jedoch selber zur Schmerzstörung
und die Entwicklung einer chronischen Schmerzstörung ist eingeleitet.
Insofern ist
in diesen Fällen die Einnahme von stärkeren Schmerzmitteln über einen kurzen
Zeitraum sinnvoll, um möglichst schmerzfrei zu sein und die Ausbildung solcher
Fehlhaltungen zu vermeiden. Weiterhin erlaubt die (relative) Schmerzfreiheit das
Gefühl, nicht von den Schmerzen beherrscht zu werden. Eine zu vorsichtige und zögerliche
Dosierung der Schmerzmittel ist in dieser Akutphase eher ungünstig. Die
Betroffenen sind nicht wirklich schmerzfrei, so dass sich eben die beschriebenen
Fehlhaltungen ausbilden. Weiterhin wächst ein Gefühl, die Schmerzstörung
nicht im Griff zu haben, sondern ihr eher ausgeliefert zu sein, von ihnen
beherrscht zu werden, was das subjektive Schmerzempfinden noch verstärkt.
Hierdurch entwickelt sich dann das Bedürfnis, immer länger Schmerzmittel
einzunehmen und hier droht die große Gefahr der Suchtentwicklung. Insofern ist auch der Ratschlag, sich in einer solchen Situation möglichst vollständig zu schonen und sich nur ins Bett zu legen zwar sicher gut gemeint, aber nicht wirklich hilfreich. Wichtig ist vielmehr ein aktiver Umgang mit den Schmerzen und der körperlichen Beweglichkeit. Vorsichtige und achtsame Beweglichkeit unter durch Schmerzmittel erreichter Schmerzfreiheit fördern die Rückbildung der (Schmerz-) Symptomatik und eine baldige Heilung. Keinesfalls bedeutet dies aber, in einer solchen akuten Phase ständig die Schmerzgrenzen austesten und möglichst überschreiten zu wollen, da sich hierdurch die Schmerzstörung en reflektorisch nur verstärken und zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führen. Hat sich dennoch eine chronische Schmerzstörung, eine Schmerzerkrankung entwickelt, reichen häufig ambulante Maßnahmen nicht mehr aus und eine stationäre Behandlung in einer entsprechenden Fachklinik ist erforderlich.
Wie sieht
unser Behandlungsangebot aus?
Grundlage
unseres Behandlungsangebotes ist unser ganzheitlich - humanistisches
Menschenbild. Wir behandeln daher nicht eine Schmerzstörung, sondern Menschen,
die unter einer Schmerzstörung leiden. Wir verbinden deshalb störungsspezifische
mit ganzheitlichen Ansätzen, in denen insbesondere die Selbstheilungskräfte
und Ressourcen der Menschen im Vordergrund stehen.
In der Diagnostikphase geht es zunächst darum, in einem persönlichen
Gespräch mit den Bezugstherapeuten die Probleme und Beschwerden zu besprechen,
die zur stationären Aufnahme geführt haben. Weiterhin erfolgt eine gründliche
und ausführliche ärztliche körperliche Untersuchung verbunden mit der Klärung,
ob alle diagnostisch notwendigen Untersuchungen bereits durchgeführt worden
sind. Falls erforderlich, werden entsprechende Untersuchungen eingeleitet, wobei
in unserem Hause insbesondere eine große radiologische Abteilung mit allen
modernen Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung steht. Weiterhin gibt es in
unserer Klinik eine Orthopädin und einen speziell ausgebildeten ärztlichen
Schmerztherapeuten, mit denen wir konsiliarisch eng zusammenarbeiten. In
gemeinsamer Überlegung erfolgt dann die Festlegung der medikamentösen
(Schmerz-) Behandlung, die selbstverständlich ebenfalls einen wichtigen Pfeiler
der Therapie darstellt. Der Schwerpunkt in der eigentlichen Behandlungsphase liegt in der Kombination von psychotherapeutischen und körperlichen Angeboten. Mit individuellen Schmerzanalysen und Schmerzprotokollen werden entsprechende Schmerzbewältigungsstrategien zur Schmerzreduktion erarbeitet. Darüber hinaus werden in Einzel- und Gruppengesprächen mögliche Hintergründe und Einflüsse geklärt, die zu einer Aufrechterhaltung und Verstärkung der Schmerzsymptomatik führen könnten, um zu verstehen, „was der Körper sagen will“ und hierdurch die Schmerzsymptomatik positiv zu beeinflussen. Gerade unser erlebniszentrierter humanistischer Ansatz bietet hierbei hervorragende Möglichkeiten, der Symbolsprache des Körpers Ausdruck zu verleihen und sie damit verstehen zu lernen.
Eine wichtige
Rolle spielen auch Entspannungsverfahren, wobei wir mit Autogenem Training (AT),
progressiver Muskelentspannung nach Jacobsen (PMR), Atemtherapie und Biofeedback
eine breite Palette anbieten. Weiterhin werden in speziellen Gruppen auch durch
Aktivierung von Selbstheilungskräften Stressmanagementtechniken vermittelt.
An körperlichen
Behandlungsangeboten stellen wir verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.
Neben gezielter Einzelphysiotherapie („Krankengymnastik“) und
balneophysikalischen Anwendungen (Massagen, Kneipp`sche Anwendungen u. a.) gibt
es eine Reihe von spezifischen und aktivierenden körpertherapeutischen
Angeboten wie Wirbelsäulengymnastik, Körperwahrnehmung, Yoga, Jogging, Walking
und ein moderates sportliches Angebot, deren hohe Wirksamkeit auch
wissenschaftlich bereits belegt werden konnte.
Neigt sich
die intensive Behandlungsphase dem Ende entgegen und rückt die Entlassung näher,
so ist es wichtig, sich wieder auf die häusliche und berufliche
Alltagssituation einzustellen und die Entlassung sorgfältig vorzubereiten. Die
Vorbereitung steht in dieser Abschlussphase
im Mittelpunkt der therapeutischen Maßnahmen. Stehen berufliche Schwierigkeiten
zur Klärung an, so bieten wir auch Hilfe über unsere Sozialberatung bis hin
zur Empfehlung medizinisch-beruflicher Rehabilitationsmaßnahmen etc. an.
Schmerzstörung
en
müssen also nicht nur erlitten und erduldet werden, sondern lassen sich lindern
und positiv beeinflussen, wozu durch unser dichtes und vielfältiges
integratives Therapieangebot gute Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Haben Sie Interesse an weiteren Einzelheiten? Besuchen Sie doch unsere Homepage unter Integrative Gestalttherapie/Traumatherapie oder rufen Sie uns an. Unser Sekretariat gibt Ihnen unter den Nummern 05626 - 88 17 57 bzw. 88 18 65 gerne Auskunft.
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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